Was unterdrückter Ärger mit Angst und Panik zu tun haben kann
Fast jede Frau und jeder Mann, der mit Angst oder Panikattacken zu mir kommt, sagt früher oder später einen ähnlichen Satz:
„Ich bin eigentlich gar kein wütender Mensch.“
Sie sagen das nicht nur so, sie sind davon überzeugt.
Sie erleben sich als freundlich, verständnisvoll und harmoniesuchend.
Sie streiten nicht gern. Sie versuchen, jegliche Konflikte zu vermeiden und gehen schwierigen Situationen lieber aus dem Weg.
Deshalb erscheint ihnen die Vorstellung zunächst fremd, dass unterdrückter Ärger etwas mit ihren Ängsten zu tun haben könnte.
Doch genau das ist eine Beobachtung, die ich in meiner Praxis immer wieder mache.
Warum Menschen mit Angst und Panik sich selten als wütend erleben
Wenn wir gemeinsam genauer hinschauen, zeigt sich meist ein ähnliches Muster.
Diese Menschen haben früh gelernt, Rücksicht zu nehmen.
Sie haben gelernt, sich anzupassen und Konflikte zu vermeiden.
Und sie haben gelernt, die Bedürfnisse anderer wichtiger zu nehmen als die eigenen.
Viele haben schon in ihrer Kindheit die innere Stimme in sich angelegt:
„Sei lieb.“
„Mach keinen Ärger.“
„Stell dich nicht so an.“
„Übertreib nicht.“
Wer mit solchen Botschaften aufwächst, lernt häufig nicht nur, Ärger nicht zu zeigen.
Er lernt auch, Wut und Ärger nicht mehr wahrzunehmen.
Gefühle verschwinden nicht einfach
Das bedeutet jedoch nicht, dass ursprünglich entstandener Ärger und Wut einfach verschwunden sind.
Gefühle lösen sich nicht auf, nur weil wir sie ignorieren.
Sie bleiben bestehen.
Manchmal über Jahre oder sogar Jahrzehnte.
In meiner Praxis zeigt sich immer wieder:
Je weniger Zugang Menschen zu ihrem Ärger haben, desto stärker zeigen sich Angst und Panik.
Natürlich ist Angst nicht immer auf unterdrückten Ärger zurückzuführen.
Die menschliche Psyche ist komplex.
Dennoch lohnt es sich, dieser Spur nachzugehen.
Denn hinter Angst zeigen sich nicht selten Gefühle wie:
- Ärger
- Wut
- Groll
- Frustration
Gefühle, die lange keinen Raum hatten.
Wenn Ärger sich gegen die eigene Person richtet
Menschen haben also gelernt, die eigenen Gefühle zurückzuhalten.
Die Energie des Ärgers kann sich nicht nach außen richten.
Sie richtet sich stattdessen gegen die eigene Person.
Viele Menschen entwickeln dadurch einen enormen inneren Druck.
Die Folgen:
Sie zweifeln an sich.
Sie machen sich Vorwürfe.
Sie übernehmen Verantwortung für Dinge, für die sie gar nicht verantwortlich sind.
Und sie verlieren zunehmend den Kontakt zu ihren eigenen Bedürfnissen.
Gleichzeitig bleibt die ursprüngliche Energie des Ärgers bestehen.
Sie verschwindet nicht einfach.
Sie sucht sich einen anderen Ausdruck.
In meiner Praxis zeigt sich immer wieder, dass aus diesem inneren Druck schließlich Angst und Panik entstehen können.
Die Energie, die sich ursprünglich nach außen orientieren wollte, wird gegen die eigene Person gelenkt.
Statt den Ärger auszudrücken, entsteht ein Kampf im Inneren.
Die Folge sind nicht selten Angstzustände oder Panikattacken.
Was passiert, wenn unterdrückter Ärger wieder spürbar wird
Viele Menschen haben Angst vor ihrem Ärger und ihrer Wut.
Sie befürchten, dadurch aggressiv oder unkontrollierbar zu werden.
In meiner Praxis erlebe ich meist etwas völlig anderes.
Wenn Menschen beginnen, ihren Ärger wahrzunehmen, entsteht zunächst Entlastung.
Der innere Druck lässt nach.
Die ständige Anspannung wird geringer.
Viele berichten, dass sie sich ruhiger und klarer fühlen.
Gleichzeitig entsteht etwas sehr Wichtiges:
Verständnis für die eigene Geschichte.
Sie erkennen:
„Mit mir stimmt nicht etwas nicht.“
„Es gibt Gründe, warum ich so geworden bin.“
Und genau dadurch wird wieder möglich, was lange verloren gegangen war:
Der Zugang zu den eigenen Bedürfnissen.
Menschen beginnen wahrzunehmen, was ihnen guttut.
Sie lernen, Grenzen zu setzen.
Sie nehmen sich selbst wieder ernst.
Eine Frage, die sich lohnt
Wenn Sie unter Angst oder Panik leiden, ist die Frage, die Sie beschäftigt:
„Wie werde ich die Angst los?“
Vielleicht ist aber eine andere Frage viel hilfreicher:
Gibt es Gefühle in mir, die ich über viele Jahre nicht wahrnehmen konnte?
Manchmal beginnt genau dort die eigentliche Veränderung.
Wenn Sie lernen möchten, die Hintergründe Ihrer Angst besser zu verstehen, begleite ich Sie gern dabei.
Hier können Sie ein unverbindliches Erstgespräch vereinbaren.
