Eine Frage, die Menschen immer wieder bewegt ist, wie sie ihre Angst loswerden können. Aber vielleicht ist Angst nicht das eigentliche Problem.
Viele Menschen, die zu mir Kontakt aufnehmen, sagen Sätze wie:
„Ich weiß nicht mehr weiter.“
„Ich glaube nicht, dass ich jemals ein Leben ohne Angst führen kann.“
„Ich habe schon so vieles ausprobiert.“
Oder:
„Ich möchte einfach nur, dass diese Angst aufhört.“
Ich kann den Leidensdruck dieser Menschen sehr gut verstehen. Manchmal scheint der Zustand der Angst fast aussichtslos zu sein.
Denn: Wer unter Angst oder Panikattacken leidet, beschäftigt sich zwangsläufig fast den ganzen Tag mit der Angst. Sie ist es, die den Alltag so sehr belastet.
Doch im Laufe meiner Arbeit habe ich immer wieder eine Beobachtung gemacht, die viele Menschen überrascht:
Die Angst ist gar nicht das eigentliche Problem.
Die meisten Menschen richten ihre Aufmerksamkeit auf die Angst
Wenn Angst oder Panik auftreten, stellt man sich verständlicherweise Fragen wie:
- Wie werde ich die Angst endlich los?
- Wie kann ich mich beruhigen?
- Was kann ich tun, damit die Panik nicht wiederkommt?
Doch diese Fragen richten die Aufmerksamkeit immer wieder auf die Angst selbst.
In meiner Praxis zeigt sich:
Die Angst ist nicht das eigentliche Problem.
Sie ist vielmehr ein Hinweis darauf, dass im Hintergrund etwas anderes wirkt.
Woran ich das erkenne
Viele Menschen, die unter Angst oder Panik leiden, haben bestimmte Dinge gemeinsam.
Zum Beispiel:
- Sie können so gut wie gar nicht Nein sagen.
- Sie vermeiden jegliche Konflikte. Bei Schwierigkeiten ziehen sie sich zurück.
- Sie stellen ihre eigenen Bedürfnisse eigentlich immer hinten an.
- Sie kümmern sich viel um andere und überlegen, was der Andere braucht.
- Sie übernehmen Verantwortung für Dinge, die eigentlich nicht ihre Verantwortung sind.
- Sie überkommt oft eine Traurigkeit – aber sie sind selten ärgerlich.
Diese Menschen wirken viel mehr freundlich, verständnisvoll und angepasst.
Doch genau deshalb stelle ich manchmal eine andere Frage.
Die Frage ist nicht nur: Wovor haben Sie Angst?
Sondern auch:
Könnte es sein, dass Sie eigentlich ärgerlich sind? Und wenn ja, auf wen?
Für viele Klienten ist diese Frage zunächst irritierend.
Sie haben sich jahrelang mit ihrer Angst beschäftigt – nicht mit ihrem Ärger.
Deshalb können sie diese Frage oft gar nicht beantworten.
Dazu kommt: Menschen mit Angst erleben sich selbst meist nicht als besonders wütend.
Im Gegenteil.
Sie bemühen sich, verständnisvoll zu sein.
Sie entschuldigen das Verhalten anderer und suchen den Fehler bei sich.
Sie versuchen Harmonie zu bewahren.
Und sie haben gelernt, Konflikte möglichst zu vermeiden.
Warum Ärger oft keinen Platz hat
Wenn wir gemeinsam genauer hinschauen, zeigt sich meist ein Muster:
Sie haben schon früh gelernt, ihre eigenen Gefühle zurückzuhalten. Warum?
Vielleicht gab es eine Atmosphäre des ständigen Streites in der Familie.
Vielleicht wurden ihre Grenzen überschritten.
Vielleicht mussten sie zu früh Verantwortung übernehmen.
Wahrscheinlich war es sicherer, sich anzupassen, als sich zu wehren.
In solchen Familien-Situationen lernt man als Kind:
Es ist besser, Ärger nicht zu zeigen.
Doch Ärger verschwindet nicht einfach.
Er bleibt bestehen – auch wenn wir ihn nicht wahrnehmen.
Was sich hinter der Angst verbergen kann
In meiner Praxis zeigt sich immer wieder, dass hinter Angst Gefühle stehen, die über viele Jahre unterdrückt wurden. Dazu gehören beispielsweise:
- Ärger
- Wut
- Groll
Diese Gefühle sind vielen Menschen zunächst kaum bewusst.
Nicht weil sie nicht vorhanden wären.
Sondern weil sie über viele Jahre gelernt haben, den Kontakt zu ihnen zu vermeiden.
Ein überraschender Perspektivwechsel
Deshalb geht es in meiner Arbeit nicht darum, die Angst zu bekämpfen.
Viel wichtiger ist die Frage:
Was möchte die Angst mir zeigen?
Welche Gefühle wurden lange übersehen?
Welche Bedürfnisse wurden übergangen?
Wo wurden eigene Grenzen immer wieder überschritten?
Wenn Menschen beginnen, diesen Fragen nachzugehen, verändert sich ihr Blick auf die Angst.
Was verändert sich, wenn Menschen wieder Zugang zu ihrem Ärger bekommen?
Viele Menschen haben Angst davor, ihren Ärger überhaupt wahrzunehmen.
Sie befürchten, sich dadurch nicht mehr kontrollieren zu können. Und sie befürchten, dass ihre Ängste belastender werden.
In meiner Praxis erlebe ich das Gegenteil.
Wenn Menschen beginnen, ihren unterdrückten Ärger wahrzunehmen, entsteht zunächst etwas anderes:
Entlastung.
Der innere Druck lässt nach.
Viele berichten, dass sie sich ruhiger, klarer und entspannter fühlen.
Oft verändert sich sogar ihre Ausstrahlung.
Die Gesichtszüge wirken weicher, gelöster und weniger angespannt.
Gleichzeitig entsteht mehr Verständnis für die eigene Geschichte.
Statt sich ständig selbst die Schuld zu geben, erkennen viele Menschen zum ersten Mal:
Ich bin eigentlich in Ordnung. Aber es hat Gründe, dass ich so geworden bin.
Und diese Gründe liegen nicht in mangelnder Willenskraft oder persönlichem Versagen.
Genau dadurch wird wieder etwas möglich, das lange verloren gegangen war:
Der Zugang zu den eigenen Bedürfnissen.
Menschen beginnen wieder wahrzunehmen, was ihnen guttut, was sie möchten und was sie nicht mehr möchten.
Sie beginnen, sich selbst ernster zu nehmen.
Die gute Nachricht
Angst und Panik fühlen sich oft so an, als wären sie das eigentliche Problem.
Doch manchmal sind sie eher ein Signal.
Ein Hinweis darauf, dass etwas im Leben Aufmerksamkeit braucht.
Und genau dort beginnt die eigentliche Veränderung.
Wenn du das Gefühl hast, dass du mit deiner Angst bisher immer wieder an derselben Stelle feststeckst, lohnt es sich vielleicht, einmal in eine andere Richtung zu schauen.
Hier kannst du ein unverbindliches Erstgespräch vereinbaren.
